Zahnärztliche Notfälle

  • Zahnschmerzen

    Die „echten“ Zahnschmerzen werden in Fachsprache Pulpitiden genannt und sind auf eine Entzündung der Pulpa (sog. „Zahnnerv“) zurückzuführen. Diese Entzündung kann reversibel oder irreversibel sein.

    Im Gegensatz zu anderen Geweben des Körpers kann das Gewebe der Pulpa nicht schwellen, was die normale Reaktion z. B. beim Eindringen von Bakterien aus einer tiefen Karies wäre. Die Zähne sind harte, starre Körper, die sich nicht wie andere Gewebe dehnen können. Der Druck in der Pulpa wird dann immer höher, was die Schmerzrezeptoren reizt. Eine irreversible Pulpitis tritt ein, wenn sich der Druck im Zahninneren so erhöht, dass der Nerv nicht mehr lebensfähig ist. Eine Wurzelkanalbehandlung ist dann nicht mehr ausweichbar. Die Zahnschmerzen treten meistens in Schmerzepisoden auf, die abwechselnd mit Phasen der Schmerzfreiheit oder Pausen vorkommen. Diese Pausen werden immer kürzer und enden häufig in dauerhaften Schmerzen. Die Schmerzen sind meistens ziehend und häufig schwer lokalisierbar. Nicht selten kann der Patient nur die betroffene Seite angeben, nicht jedoch den betroffenen Zahn und ob der Zahnschmerz im Oberkiefer oder im Unterkiefer ist. Die Schmerzen strahlen häufig aus und können sehr stark sein. Das Absterben des Zahnnervs kann sich über Monate oder Jahre hinziehen. Wenn der Nerv schließlich komplett nekrotisch (tot) ist, können diese Schmerzen plötzlich verschwinden. Der Zahn muss aber trotz Schmerzfreiheit behandelt werden! Das Zahninnere ist dann meistens mit Bakterien kontaminiert, die so über die Wurzelspitze zum Kieferknochen gelangen und dort schwere Entzündungen hervorrufen können.

    Wir haben die kurzfristige Aufnahme von Schmerzpatienten in unserem Terminbuch vorgesehen, so dass wir meistens Termine innerhalb 48 Stunden anbieten können. Rufen Sie uns am besten schon ganz früh an (ab 7:45 Uhr), informieren Sie uns klar und deutlich über das Vorhandensein von Schmerzen und nehmen Sie bei Möglichkeit Analgetika (Schmerzmittel), aber bitte kein Aspirin!

  • Knochenschmerzen

    Die häufigsten Knochenschmerzen werden von Entzündungen im Bereich der Wurzelspitze der Zähne hervorgerufen, sog. apikale Parodontitiden. Diese Entzündungen können akut oder chronisch (schnell oder langsam fortschreitend) verlaufen und die damit verbundenen Schmerzen können, wie bei den Pulpitiden, in Intensität und Erscheinung stark variieren.

    Häufig verursacht die chronische Entzündungsform zunächst keine Schmerzen. Der Grund ist, dass es sich ein Gleichgewicht zwischen Immunabwehr und Entzündungsvorgang einstellt. Dieses Gleichgewicht kann in den meisten Fällen sogar über mehrere Jahre anhalten. Die Immunabwehr kann aber die Bakterien nicht komplett beseitigen, da diese ihren Streuungsort im Wurzelkanal haben. Der Wurzelkanal hat nach der Nekrose (dem Absterben) der Pulpa keine Blutgefäße mehr, wodurch die Bakterienquelle nicht von den Zellen des Immunsystems erreicht werden kann. Der Entzündungsprozess kann in andere Formen überführen z.B. in die akute Form (sehr schmerzhaft), in eine Zyste (Hohlraum mit Entzündungsflüssigkeit) oder in einen Abszess (Eiteransammlung). De letzten beiden Erscheinungsformen stellen eine Gefahr für die Allgemeingesundheit dar, lockern den Zahn und können lebensbedrohliche Entzündungen auslösen.

    Die Differenzialdiagnose kann nur mit Röntgenaufnahmen gestellt werden. Die Behandlung beinhaltet bei Erhaltungswürdigkeit des schuldigen Zahnes meistens eine Wurzelbehandlung, die manchmal auch eine Wurzelspitzenresektion (Siehe Chirurgie) als Begleitmaßnahme erfordert. Manchmal sind die Zähne nicht erhaltungsfähig: dann ist die Zahnextraktion unumgehbar.

  • Zahntrauma

    Ein Zahntrauma ist ein echter Notfall, der eine drohende Gefährdung der Zähne und der Strukturen um die Zähne (Parodont) darstellt. Die Intensität kann stark variieren: von einer leichten Lockerung des Zahnes bis zu dem kompletten Verlust des betroffenen Zahnes / der betroffenen Zähne (Avulsion), mit oder ohne Zahnstrukturverlust (Fraktur), was auch mit oder ohne Beteiligung der Pulpa (Zahnnerv) stattfinden kann. Die klinische und röntgenologische Kontrolle von Seite eines Zahnarztes bzw. Kieferchirurgen ist immer obligat. Häufig müssen die Zähne über mehrere Jahre in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden.

    Das wichtigste für Sie in Kürze:

    Zähne bzw. Zahnfragmente können meistens reponiert werden und müssen unbedingt sofort gesucht werden! Bei ganzen Zähnen: fassen Sie nie die Wurzel an! Die Zellen auf der Wurzeloberfläche sind sehr empfindlich und dürfen nicht austrocknen. Fragen Sie nach einer Zahnrettungsbox: die sind in den meisten Sporthallen, Schwimmbädern und pädagogischen Einrichtungen vorhanden. Wenn Sie keine haben und der Zahn relativ sauber ist: reponieren Sie den Zahn bei Möglichkeit in das knöcherne Zahnfach. Untersuchungen haben gezeigt, dass das die Prognose des Zahnes stark verbessert. Wenn die Zähne stark verschmutzt sind (z. B. mit Erde) ist es besser, diese vom Zahnarzt reponieren zu lassen. Alternative Medien zum Transport des Zahnes sind Milch, Physiologische Kochsalzlösung und Speichel, diese sind aber in keiner Weise vergleichbar zu einer Zahnrettungsbox und sollten nur in Ausnahmefällen verwendet werden!

    Auf keinen Fall sollte der Zahn in ein trockenes Taschentuch eingewickelt werden!

    Die Zeit drängt! Sie müssen sofort einen Zahnarzt aufsuchen bzw. in die Klinik fahren! Wenn die Reposition des Zahnes innerhalb der ersten 5 Minuten erfolgt, kann man in etwa 75% der Fälle mit einer kompletten Remission (Ausheilen) rechnen. Wenn der Zahn über eine Stunde außerhalb der Mundhöhle bleibt oder falsch gelagert wird, muss man in fast allen Fällen eine Wurzelkanalbehandlung durchführen. In vielen Fällen kommt es dann auch zu einer Ankylose kommen: der Zahn verwächst sich mit dem Knochen und muss häufig extrahiert werden.

    Es ist ratsam, die Reposition eines Zahnes im Universitätsklinikum durchführen zu lassen. Dort können auch evtl. auftretende Begleitläsionen (Kieferbruch, Weichgewebsverletzungen) optimal diagnostiziert (spezielle Röntgengeräte bzw. andere Untersuchungsmethoden wie MRT) und behandelt werden. Wenn Sie aber befürchten, dass aufgrund der Fahrt in die Klinik die extraalveoläre Zeit des Zahnes deutlich erhöht wird oder wenn Sie über kein optimales Transportmedium verfügen, ist es ratsam, dass Sie sich zur primären Versorgung bei einem lokalen Zahnarzt vorstellen. Wir können Ihnen eine Zahnrettungsbox zur Verfügung stellen und den Zahn primär reponieren. Rufen Sie am besten gleich an!

  • Parodontale Notfälle

    Akute Schmerzen und Schwellungen am Zahnfleisch haben häufig eine traumatische oder eine infektiöse Ursache (wie z. B. das Herpes-Virus). Die Behandlung erfolgt meistens mit der lokalen Wundversorgung unter Lokalanästhesie, mit dem Auftragen einer Wundsalbe, oder im Fall der Herpesläsionen, mit der Anwendung eines Lasers.

    Chronische Entzündungen am Zahnhalteapparat (Parodontitis) können unter Umständen auch zu akuten Zuständen (Schwellungen, Schmerzen) führen. Meistens kann eine Inzision (ein kleiner Einschnitt) unter Lokalanästhesie, mit oder ohne medikamentöse Begleittherapie schnell Hilfe schaffen. Die grundliegende Erkrankung muss aber obligatorisch auch systematisch behandelt werden. Knochenverlust und immer wiederkehrende entzündliche Zustände sind sonst nicht zu vermeiden. Eine chronische Parodontitis wird häufig mit anderen gesundheitlichen Problemen in Verbindung gebracht (Abszesse in anderen Körperregionen, schlechte Einstellung eines Diabetes) und kann sogar eine Frühgeburt verursachen.

Zahnarztpraxis Kappel



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